Quartiersprojekt

In Scholven werden die Bürger selbst aktiv

Der Kaffee steht in Thermoskannen bereit. Christel Hack hat sich ein Brötchen genommen, frühstückt und unterhält sich mit den anderen Menschen im Stadtteilladen. Drei bis sieben Frauen und Männer treffen sich hier jeden Dienstag zur Frühstücksrunde des Quartiersprojekts der Caritas in Gelsenkirchen.

Vor etwa drei Jahren – als die Caritas im nördlichsten Stadtteil Gelsenkirchens das Projekt startete – stand der Laden noch leer. Seither hat sich einiges getan: Stadtteilfeste, Spaziergänge und mehr werden von den Bewohnerinnen und Bewohnern organisiert. Unterstützt werden sie dabei von einer Mitarbeiterin der Caritas.

Auch das erste Scholvener Adventsmärktchen wurde so ins Leben gerufen: „Ich war erst geschockt, was man da alles machen muss“, sagt Christel Hack. Die gelernte Schneiderin, die seit 20 Jahren als Reinigungskraft arbeitet, kommt nicht nur regelmäßig zum Frühstück, sondern gehört auch zur siebenköpfigen Weihnachtsmarktplanungsgruppe. „Gut, dass wir Christina haben. Sie zeigt uns den Weg, wie das gemacht wird“, sagt die 58-Jährige weiter.

Christina – das ist Christina Fornefeld. Die Caritasmitarbeiterin ist Ansprechpartnerin für die Bewohnerinnen und Bewohner und hilft ihnen, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten. Gleichzeitig baut sie Netzwerke und Kooperationen auf, um die Zusammenarbeit im Stadtteil zu stärken. Sie führt Bewohnerversammlungen durch und organisiert Deutschkurse für Flüchtlinge. Regelmäßig ist sie im Stadtteilladen anzutreffen.

„Wenn der Laden kaputtgehen würde, wäre hier alles kaputt“, sagt Christel Hack. Seit 2013 wohnt Hack in Scholven; einen Umzug hat sie allerdings schon geplant. Für sie ist Scholven der Ort, in dem sie noch wohnt. Scholven, das sei vielfach Industrie – auch wenn die grüne Umgebung allzu oft noch unterschätzt würde.

Scholven hat ein Imageproblem. Faktoren wie Armut und eine hohe Arbeitslosenquote machen den Alltag nicht leichter. Und doch gibt es Menschen, die gerne hier leben. Ralf Bergedick zum Beispiel, oder Gabriele Schneider. Beide sind auch Teil des Frühstücktreffs. Sie sagt: „Du kannst hier überall spazieren gehen: Ich find das schön hier.“ Die Wahl-Scholvenerin ist schon oft umgezogen; mit Unterbrechungen wohnt sie rund 15 Jahre hier. Weg will sie nicht mehr; mittlerweile hat die 65-Jährige sogar ihre Beerdigung in Scholven schon geplant. Ralf Bergedick sorgt sich, was passiert, wenn der Laden weg ist. Seit die Werbegemeinschaft in Scholven vor etlichen Jahren auseinandergefallen sei, seien viele Planungen im Sande verlaufen: „Bis hier das Quartiersprojekt aufgemacht hat“, sagt der 51-Jährige.

Am Nebentisch der Frühstücksrunde hat sich derweil eine junge Mutter zu DRK-Mitarbeiter Sevki Yildirim gesetzt. Parallel zum Frühstückstreff bietet das Deutsche Rote Kreuz hier eine Sprechstunde für Flüchtlinge an und hilft bei Angelegenheiten rund um Kindergeld, Miete und Jobcenter. Während sich die Afghanin mit dem DRK-Mitarbeiter unterhält, sitzt ihr Sohn bei Nicole Großmann auf dem Schoß. Die Sozialarbeiterin arbeitet im benachbarten Familienzentrum der Grundschule Im Brömm und besucht regelmäßig die Frühstücksrunde, die ursprünglich als Elterntreff geplant war. Nach dem Beratungsgespräch setzt sich die Mutter mit an die Frühstücksrunde.

Einige Stunden später sitzen Thomas Busch, Inge Baumann und Heinrich Zenker an dem Tisch und spielen „Elfer raus“. „So geht wenigstens der Nachmittag vorbei“, sagt die Frau in der Runde. Die 67-Jährige lebt seit vier Jahren alleine. Der 90-jährige Zenker ist schon seit 15 Jahren verwitwet und trauert noch heute sehr um seine Frau. Durchs Kartenspielen kommen beide unter Leute: „Wir spielen nicht nur, sondern reden ja auch“, so Baumann weiter. Seit drei Jahren organisiert Thomas Busch den Kartentreff. Er sagt: „Ich leite das hier nicht. Ich bin nur dafür da, die Tür aufzuschließen und Kaffee zu kochen.“ Die drei von der Kartenrunde sind sich einig: „Außer den Stadtteilladen gibt es nichts mehr in Scholven.“ Woanders hinziehen, sei jedoch keine Option mehr. „Scholven ist mein Zuhause“, sagt Renterin Baumann.

Logo Stadtteilarbeit Scholven

Quartiersprojekt Scholven

Beim sozialraumorientierten Projekt der Caritas in Gelsenkirchen bekommen die Bürgerinnen und Bürger Hilfe zur Selbsthilfe: Das Quartiersprojekt Scholven schafft Netzwerke und befähigt die Menschen eigene Ideen umzusetzen, um das Leben in ihrem Stadtteil lebenswerter zu machen.

– Laufzeit: August 2014 bis Ende 2018

– Arbeit nach dem Fachkonzept Sozialraumorientierung

– gefördert vom Caritasverband für das Bistum Essen e.V.

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Gesprächssituation zwischen Petra Siegberg und einem Klienten.

Nach Außen den Schein wahren Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin. Ein schönes Viertel. Grüne Alleen, Altbauten, Stuck an den Decken, ein wohlsituiertes Viertel. So sieht es von außen aus. Petra Siegberg ist seit 10 Jahren in der ambulanten Wohnungslosenhilfe als Beraterin tätig. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen.

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In Scholven werden die Bürger selbst aktiv Gelsenkirchen-Scholven liegt im Ruhrgebiet. Die Autobahn A52 fährt direkt vorbei. Aus den Türmen des Industriegebiets steigt Rauch. In der Mitte der Gemeinde liegt der Stadtteilladen. Hier treffen sich neue und alte Bewohner. Ihr Motto: Hier leben ich gerne! Erfahren Sie mehr per Klick auf das Bild.

Containerprojekt Hamburg Das Containerprojekt in Hamburg gibt zehn Frauen die Möglichkeit, Sicherheit zu erfahren und einen Weg aus der Obdachlosigkeit zu finden. Fanny ist Studentin und unterstützt sich dabei. Mehr zum Projekt im Film und Text auf der Projektseite (per Klick auf das Foto).

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